Raphaela Salentin: Dann ist das einfach so!

Das erste Mal als wir auf Raphaela Salentin getroffen sind, war in der NY-Bar. Es war eine Geburtstagsfeier und sie saß genau neben mir. Eine hübsche junge Dame, sie sprach sehr gewählt, offensichtlich gut gebildet, modern angezogen. Durch und durch eine aparte sympathische Erscheinung.

Schnell wurde ich aufgeklärt und ich hatte das Gefühl, das mir jemand einfach einen Zauber verderben wollte, den diese Frau mit sich brachte. „Du, das ist eigentlich ein Junge“, raunte mir ein Gast ins Ohr. Mit Raphaela treffen wir uns ein paar Monate später. Anfangs besteht eine Scheu Raphaela offen anzusprechen, ich will sie nicht verletzen. Aber Offenheit ist wohl das Beste für alle Beteiligten und für mich steht fest, diese Frau hat wirklich Eier in der Hose und zwar im Sinne von „Ich ziehe den Hut“ vor dieser Frau!

Raphaela, unsere Ausgabe heißt „Eier in der Hose“, hast Du damit ein Problem? Nein, ganz und gar nicht. Wir sitzen ja hier und ich möchte dir meine Geschichte erzählen.

Raphaela, bitte erzähl mir, wann Dir bewusst wurde, dass Du kein Junge sein möchtest: Das ging relativ früh los und zwar mit der 1. Klasse in der Grundschule. Ohne auch nur irgendetwas über Transgender bzw. Transsexualität zu wissen, habe ich einer Freundin gesagt, dass ich umoperiert werden möchte. Ich bin in einem kleinen Dorf namens Heimbach aufgewachsen. Meine Mutter war meist den ganzen Tag arbeiten. Wenn ich nach Hause kam, habe ich einfach ihre Kleider angezogen. Echte Probleme kamen dann in der Oberstufe. In dem Alter dominierten dann schon meine weiblichen Attribute. Doch Akzeptanz konnte ich in unserem kleinen Dorf nicht erwarten. Kinder sind übrigens wirklich sehr grausam. Erst in der Oberstufe schwächte die Intoleranz etwas ab. Ich bin der Meinung, dass Dinge, die der Mensch, bzw. Kinder nicht begreifen dazu führen, sich lustig zu machen bis hin gar zur körperlichen Gewalt. Hinzu kommt, dass sie sich in der Gemeinschaft stark fühlen. Meine schulischen Leistungen gingen in den Keller. So zog ich es vor, öfters krank zu sein und die Schule zu meiden. Fazit war, dass ich bis heute keinen Schulabschluss gemacht habe und auch keine Ausbildung. Ich habe für mich entschieden, ich braucht das alles nicht!

Macht Dir das gar nichts aus? In der heutigen Zeit benötigt man doch für alles einen Schein? Ganz ehrlich? –Nein, ich kann das nicht bemerken, auch ohne Schulabschluss bin ich an Jobs herangekommen und konnte immer meinen Lebensunterhalt verdienen. Mittlerweile bin ich selbständig.

Gab es einen Tag X, an dem du beschlossen hast, zu Dir zu stehen oder entwickelte sich das Stück für Stück? Ich bin größtenteils bei meiner Oma aufgewachsen und kann mich noch sehr genau an meinen Tag X erinnern: Ich schaute in den Spiegel und habe zu mir selbst gesagt: „Jetzt ist mir das aber mal scheissegal, was die anderen sagen. Ich werdemeine Haare wachsen lassen und heiße ab sofort nicht mehr Raphael sondern Raphaela.“ Schon ein paar Tage später habe ich mir die Haare blond gefärbt. Damals gefiel mir besonders die Frisur von Paris Hilton. Es folgten ein gelbes Kleid von H&M und ein Blazer. Ich liebe den Business Look. Bis heute trage ich gerne Business Kleidung und habe meine Entscheidung in keinster Weise bereut!

Was machst Du heute? Heute besitze ich eine eigene Marketing- und PR-Agentur. Auch habe ich das Einladungs- und PR-Management von Micaela Schäfer, Daniela Michalsky (Model), Yvonne Woelke (Schauspielerin/Moderatorin) und Birte Lang (Tatort) teilweise übernommen. Ich kümmere mich speziell um die Themen Reputationsmanagement, Social Media und PR Events. Das Entwerfen von Konzepten macht mir großen Spaß, sowie Sponsorenvermittlung und Organisation von Fashion Shows. Dank meiner Kontakte, war ich schon auf vielen großen Veranstaltungen, wie die Bambi- oder der Echo-Verleihung. Dort konnte ich weitere wertvolle Kontakte knüpfen, die ich mittlerweile nutzen kann.

Wie geht das alles? Du bist erst 20 und hast keine Ausbildung? Also erst einmal habe ich bemerkt, dass ich Autodidakt bin. Ich kann mir unheimlich schnell Dinge merken, annehmen und umsetzen. Ich bin sehr belesen und lerne jeden Tag hinzu. Auch mein bester Freund Steven, der Veranstaltungskaufmann sowie Unternehmensberater ist, hat mich unterstützt und ich konnte viel von ihm lernen. Meine Kunden sprechen mittlerweile für mich und dadurch werde ich immer weiter empfohlen. Ich kann nur jedem auf den Weg geben: Wenn Du ein Ziel hast, verfolge es einfach! Ich wollte mich selbständig machen, ich bin es. Nun habe ich ein weiteres Ziel: Auswandern! Dieser Wunsch entwickelte sich vor ca. 3 Jahren bei mir. Heute geht er in Erfüllung.

Ja, auf facebook konnten wir lesen, dass du in zwei Tagen nach Mallorca ziehst. Was machst Du dort? Ich hatte ein spontanes Video auf facebook eingestellt und du glaubst es nicht, zwei Tage später hatte ich 4 Anfragen von 4 verschiedenen TV-Produktionsfirmen. Und alle wollten mich für 1 Format: Goodbye Deutschland auf VOX. Hier sah ich meine Chance, mein Leben weiter zu gestalten und nahm das Angebot an, meine Auswanderung dokumentieren zu lassen. Schließlich habe ich noch vieles vor und eine Mission zu erfüllen. Zudem haben Steven und ich geplant auf Mallorca Special-Events auf die Beine zu stellen.

Du stehst nicht zum ersten Mal vor der Kamera. Schon einmal hast Du bei RTL2 – Jungfrau sucht die große Liebe auf Mallorca mitgemacht. Wie waren deine Erfahrungen hier? Ich wollte nie ins Fernsehen, allerdings habe ich bemerkt, die Presse interessiert sich für mich und das sollte ich mehr für mich nutzen. Auch habe ich nach der Sendung unzählige Zuschriften bekommen. Die Menschen wollten Ratschläge von mir, Hilfe und Unterstützung und manches Mal einfach nur reden. Das hat mich nachdenklich gemacht. Wir leben im Jahre 2016 – warum müssen wir für etwas so Normales kämpfen?

Was ist Deine Mission? Meine Mission ist Aufklärung! Ich möchte Vorurteile abbauen, Fragen beantworten und Vorbild für andere Menschen sein, die den gleichen Weg wie ich gehen. Auch möchte ich ein Vorreiter sein im Bereich Emanzipation andersgeschlechtlicher Menschen. Wir sind keine Minderheit, wir sind alle gleich! Jeden Menschen als Mensch behandeln, das will ich verkörpern. Wer immer als Frau leben möchte, der soll das machen! Dann ist das einfach so!

Was hast Du aus Deinem Entschluß rausziehen können für dich? Ich habe viele Erfahrungen machen müssen zum Thema Umwandlung und alles was dazu gehört, welches ich gerne weitergeben möchte. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was das für ein Marathonweg ist. Vor allem die Behörden blockieren und versuchen Hürden zu setzen wo sie nur können. Die Namensänderung sowie Personenstandsänderung hat mich insgesamt 8000 (!) Euro beim AG Charlottenburg gekostet. Ich frage mich mit welcher Berechtigung so viel Geld abverlangt wird. Auch die Handhabung der medizinischen Dienste ist oftmals sehr entwürdigend. Warum? Mit welcher Berechtigung werden wir so schlecht behandelt?

Liebe Raphaela, wir wünschen Dir eine tolle Zeit auf Mallorca und werden nachhaken, wie es Dir ergangen ist. Wir finden, du bist eine tolle Frau und vielen Dank für Deine Offenheit #eierinderhose

Und wer will, kann Raphaela live im Fernsehen in der nächsten Staffel von „Goodbye Deutschland“ bei VOX anschauen. Viel Spaß!

www.facebook.com/RaphaelaSalentin1994

PS: AM 25. Juli erhielt Raphaela Salentin die Nachricht, dass sie gesetzlich dem weiblichen Geschlecht zugeordnet wird! Wir gratulieren für so viel Durchhaltevermögen, Kampfesgeist und Charisma!

 

 

 

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