Blind…Fußball spielen!

In Ländern wie Spanien und in Brasilien hat sich Blindenfußball in den letzten 20 Jahren längst etabliert. In Deutschland sind wir gerade erst dabei, Blindenfußball zu etablieren. Seit dem Sommer 2008 ist auch der LFC Berlin 1892 mit von der Partie. Wir haben dem Trainer Moritz Klotz über die Schulter geschaut. Die erste Frage, die sich einem stellt, ist: „Wie kann denn Blindenfußball funktionieren?“

Beim Blindenfußball spielen Sportler mit und ohne Seheinschränkung zusammen. Zu einem Team zählen vier blinde Feldspieler, bis zu vier blinde Einwechselspieler, der sehende Torwart, der Trainer an der Seitenlinie und ein Torguide hinter dem gegnerischen Tor. Das Spiel ist dem Futsal – einer Variante des Hallenfußballs – ähnlich. Gespielt wird auf einem 40×20 Meter großen Spielfeld auf Handballtore. Es ist mit Banden an den Seiten bestückt, um den Ball länger im Spiel zu halten. Der Ball ist kleiner und schwerer als herkömmliche Fußbälle und springt kaum, um möglichst immer am Boden zu sein. Er enthält nämlich rasseln, die ihn beim Rollen für die Spieler hörbar machen.

toller Trainer! Moritz Klotz trainiert mit Herz die Blindenfußball-Mannschaft

Ich habe 90 Minuten beim Training zugeschaut. Hier kann man sehr gut eine besondere Atmosphäre bemerken. Soziale Aspekte wie Freude und Teamgeist stehen im Training immer an erster Stelle. „Natürlich wollen wir in unseren Spielen erfolgreich sein, aber dass alle Spieler zum Einsatz kommen und gemeinsam Spaß haben ist am Ende mindestens genauso wichtig, wie das Spielergebnis.“ sagt Moritz Klotz. In der letzten Saison konnte man sensationell den dritten Platz erreichen.

Das Team ist eine durch und durch heterogene Truppe. Hier spielen Menschen aus Deutschland, Ghana, Palästina, und der Türkei zusammen. Drei Spieler sind noch Jugendliche, viele in den besten Sportlerjahren und einige sind der Rente schon nah. Es dürfen selbstverständlich auch Frauen mitspielen! Beim LFC sind es derzeit drei, darunter die Torhüterin Charlotte Liedke, die sich wagemutig jedem Schuss entgegenstellt. Wir haben derzeit 10 blinde und sehbehinderte

Blindenfußball ist der einzige Sport, bei dem blinde Menschen sich frei im Raum bewegen können; ohne Stock, Führhund oder Begleitperson. Er fordert und fördert die Sportler in Koordination, Ausdauer, Kommunikation, Orientierung und Technik wie kein anderer Blindensport. Die Zuschauer fasziniert die Dynamik und Energie des Spiels. Die Sportler sind dann nicht mehr Behinderte, sondern in erster Linie hervorragende Athleten. Facettenreiche Dribblings, rassige Zweikämpfe, gezielte Pässe und spektakuläre Tore kann man in diesem Spiel genauso finden, wie beim „normalen“ Fußball. Auch weil der Torwart nur maximal zwei Meter aus seinem Tor herauskommen darf, fallen viele Tore und ein Spiel endet äußerst selten 0:0. Beim Blindenfußball gibt es zwei Schiedsrichter auf dem Spielfeld, die natürlich nicht blind sind. Ein Dritter befindet sich hinter der Bande und ist mit einem Mikrofon ausgestattet. Er nimmt Auswechslungen und Timeouts entgegen, sagt bei Spielunterbrechungen die Spielfortsetzung an und informiert bei Foulspielen über Art und Verursacher des Vergehens. Somit wissen die Trainer, das Publikum und vor allem die Spieler, was genau passiert ist und wie es weiter geht.

Das wohl wichtigste Wort auf dem Spielfeld ist das Wort „Voy“. Es kommt aus dem spanischem und bedeutet „ich gehe“.  Dieses Wort muss von jedem Spieler gerufen werden, der sich schnell im Raum bewegt oder sich den Ball nähert. Somit werden ungewollte Zusammenstöße vermieden. Nur der Ballführer muss natürlich nichts rufen, da man ja dem Ball hört. Im Grunde ist beim Blindenfußball die Kommunikation das A und O. Die Spieler rufen sich immer wieder untereinander, um sich vormieren zu können und Anspielstationen zu finden. Torwart, Trainer und Torguide dienen durch ihre Rufe als akustische Orientierungspunkte und Spielbeschreiber. Sie geben den Spielern kurze Kommandos, um ihnen die Spielsituation aufzuzeigen oder eine bestimmte Aktion des Spielers auszulösen. Der Torguide ruft beispielsweise: „Zehn Meter, Eins gegen Eins!“ Der Spieler weiß nun, dass er zehn Meter vor dem Tor steht und einen Gegner vor sich hat. Außerdem weiß er, wo das Tor steht, weil sein Guide direkt dahinter steht.

Während der Ball im Spiel ist, sind die Zuschauer angehalten, sich mit Anfeuerungsrufen und Gesängen zurückzuhalten. Das würde die Kommunikation auf dem Spielfeld erschweren. Ist der Ball im Aus oder noch besser im Tor, kann den Gefühlen dann natürlich auch freien Lauf gelassen werden…

Leider hat man wie so oft im Leben auch hier immer wieder mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Bälle haben keine lange Lebensdauer, da die Rasseln schnell den Geist aufgeben und bei einer zu geringen Lautstärke nicht mehr spieltauglich sind. Produziert werden sie in Dänemark, Spanien und Brasilien. Sie sind daher nicht ganz einfach zu erhalten und nicht gerade kostengünstig. Wie so viele Vereine und Mannschaften sind auch sie auf Spenden angewiesen. Wer hier unterstützen möchte, wendet sich einfach an den LFC Berlin oder direkt an Moritz Klotz.

Wer nun Blut geleckt hat und sich ein solches Spiel einmal anschauen möchte, der ist am Samstag, den 28.Mai im Stadion Lichterfelde richtig. Im Rahmen des Bezirkssportfestes findet auf dem Platz neben der Geschäftsstelle zunächst eine Demonstration dieses interessanten Sports statt. Mitmachen ist natürlich auch erlaubt. Um 16 Uhr steht dann noch ein Freundschaftsspiel auf dem Programm Der LFC Berlin tritt gegen die Blindenfußballmannschaft von Eintracht Braunschweig an.

 

http://www.lfc-berlin.de/

 

Kurz zum Lichterfelder FC 1892

Der LFC 1982 führt die größte Jugendabteilung Deutschlands mit mehr als 38 Mannschaften mit über 900 Jugendlichen aus 51 Nationen. 190 Trainer, Betreuer und Mitarbeiter kümmern sich um 1.200 Mitglieder von jung bis alt. Der LFC bekam für seine Jugendarbeit den Sepp Herberger Preis.

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