beobachten, notieren, zeichnen – Kunst

Kunst, kaum ein Thema welches so kontrovers diskutierbar ist. Es kann schon eine „Installation“ sein, wenn ich auf dem Weg eine Zigarettenschachtel lege oder ein Stullenbrett, welches mit einem Messer, Brot und Marmelade drappiere und für Kunst verkaufe. Für mich ist Kunst, wenn ich staunen kann und nicht, wenn mir Kunst erklärt werden muss.

Uwe Thürnau ist so einer, über den ich nur staunen kann. Wir, und damit meine ich Dirk Winterfeld sowie Wildlife-Artist Uwe Thürnau (60) treffen uns in der Remise No1 in Tempelhof. Dirk kennt Uwe noch aus Kindertagen und hat sich auf dieses außergewöhnliche Treffen genauso gefreut wie ich. Aber zurück zu den Anfängen, Uwe Thürnau ist in Tempelhof in der Prühßstrasse aufgewachsen. Sein Urwald war der Volkspark Mariendorf mit angebundenem Segelteich. Seine Passion „die Natur beobachten, notieren und zeichnen. Seine große Faszination galt dem Berliner Zoo. Er erinnerte sich an einen Malwettbewerb „Grimms Märchen“, den der Berliner Zoo für Kinder ausschrieb. Er erhielt den dritten Preis!

Was ihn jahrelang jedoch von seinen Eltern vorenthalten wurde, war ein Vermerk auf dem zurückgesandten Bild an seine Eltern „ die Eltern sollten doch nicht helfen!“. Er gewann ein Steiftier und eine Kinokarte freute sich riesig und seine Eltern entschieden fortan sein Talent zu fördern. Nach einem erlebnisreichem Studium als Grafik- und Industriedesigner , in der er die Zeit nutzte um viel zu reisen um seiner Leidenschaft für die Natur nachkommen zu können, erhielt er seine erste Stelle beim Berliner Zoo als Schriftenmaler. Seine Aufgabe war es Poster, Plakate und alles was mit Beschriftungen innerhalb des Zoos zu tun hatte zu erledigen. Dazwischen hatte er eine Menge Freiraum für Beobachtungen. So sind in dieser Zeit mehrere hunderte von Bildern entstanden in denen er Vögel studierte und zeichnete. Uwe Thürnau ist ein Autodidakt und entwickelte sich somit u.a. zum Ornitologen.

Doch die Selbständigkeit reizte ihn mehr, zudem er sich keine Aufstiegschancen im Berliner Zoo versprach. Das Glück war an seiner Seite und so erhielt er im Jahre 1980 seinen ersten Auftrag , natürlich vom Berliner Zoo. Seine Aufgabe: 600 Bilder für das Aquarium malen. Auftragswert: 9.000 DM. Früher konnte man mit 9.000 DM ein ganzes Jahr lang leben. Er nahm das Angebot an, führte den Auftrag aus und lebte danach 1 Jahr lang in Amsterdam. Es folgten 5 Jahre Belgien in einer Landkommune. Doch kehren wir zurück in die Gegenwart.  Mittlerweile ist Uwe Thürnau der Fachexperte wenn es um Kunstfelsen, dreidimensionalem Erlebnis, wie den Dioramen oder meterlangen Panoramen geht. Durch seine jahrzehntelangen Erfahrungen entstehen für Zoos in vielen Ländern sowie bundesweit einzigartige Kunstwerke für das Auge. Noch heute werden Bauzeichnungen – oftmals zum Erstaunen seiner Auftraggeber – per Hand gezeichnet. Er hält nichts vom digitalen Erstellen und benötigt hierfür nur den Auftrag, sein Gefühl und seine autodidaktischen Fähigkeiten.

Aktuell arbeitet er im Berliner Zoo an dem Vogelhaus sowie in Rostock an dem „Darwineum“, welches im August dieses Jahres eröffnet wurde. Es bildet eine Zeitreise nach der Theorie von Charles Darwin nach. Es werden Abbildungen von Bäumen und Wasserfällen, die die Illusion eines Urwaldes wiedergeben. Es entsteht eine Schlucht, in die der Besucher durchgeht und eine Mischung aus asiatischem sowie afrikanischem Urwald erlebt. Wenn er Kunstfelsen aus dem Nichts entstehen lässt, dann müssen schon mal 30 Sattelschlepper mit 15 Paletten á 1,5 Tonnen Zement herangekarrt werden. Natürlich kein gewöhnlicher Zement, dies ist eine Spezial-Rezeptur, denn dieser Zement muss ja auch skulptuiert werden. Große Projekte, werden von einem weltweiten Team aus qualifizierten Freiberuflern zusammengestellt. Er kennt sich in Haustechnik aus und ist Architekt und Ingenieur in einer Person. Wasserfälle, Gefälle, Statik, Gerüste, unterschiedliche Bauphasen, Elemente und Naturprodukte müssen vereint werden. Der Besucher braucht nur eines –staunen über die Verschmelzung von Natur und Malerei. Wenn Uwe Thürnau von seiner Arbeit schwärmt, dann landen wir oftmals in Afrika, bei sibirischen Tigern und der unbeschreiblichen Schönheit der Natur. Er selbst nennt sich „Neoromantiker“, er liebt und riecht die Natur – übt seine Passion aus und verdient letztendlich mit seiner Liebe zu Flora und Fauna sein Geld.

Ein Künstler und Visionär, der profi- und praxisbezogen sein Unternehmen führt. So hat er viele beeindruckende und lebensnahe Bilder, Panoramen und Landschaften geschaffen, die Besucher staunen läßt und die dennoch hoffentlich noch sehr lange in der Natur wiederzufinden sind. Wir haben über vier wundervolle Stunden gemeinsam erlebt und treffender als Dirk kann ich es nicht ausdrücken. Der Künstler Uwe Thürnau, der sich selbst eher als Wildlife-Artist sieht, wirkt auf uns unheimlich bodenständig und sehr „geerdet“. Vielen Dank, für diese Zeit.

Mehr Infos: www.wildlife-artist-thuernau.de

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