Auf Försters Wegen

thorsten wiehle u.Anita Tusch

mit Thorsten Wiehle schönes Treffen im Restaurant Grunewaldturm gehabt!

Ab in den Wald und zwar in den Grunewald! So war meine Devise für den Januar. Und da ich mich so überhaupt nicht in Berlins Wäldern auskenne, nahm ich Thorsten Wiehle mit. Den kenn ich zufällig, da wir gemeinsam zur Schule gegangen sind. Was ich wusste, er arbeitet beim Landesforstamt – Berliner Forsten. Was ich nicht wusste, er kennt sich wirklich in Berlins Wäldern aus, denn  schließlich hat er vor ein paar Jahren ein Buch geschrieben und kann von sich behaupten, dass er ca. 1300 km Wanderwege für uns recherchiert hat.
Wir treffen uns zu einem kleinen Wanderausflug mitten im Grunewald. Ich schwöre, diesen Weg kannte ich noch nicht. Ihr wisst ja, wie das ist. Wir gehen in den Wald, durchwandern immer wieder die gleiche Strecke und dann wieder ab nach Hause. Solch einen  „Wanderführer“ an seiner Seite zu haben, ist da schon durchaus spannender. Thorsten zeigte mir Dinge im Wald, die ich normalerweise
nicht sehe. Kleine unauffällige frische, aber auch ältere Fährten. Hier sind noch vor kurzem Wildschweine lang gelaufen. Weiter oben im Gehölz ein Fuchsbau. Nebenher trällert ein Eichelhäher, vielleicht will er die Tiere vor uns warnen?! In Berliner Wäldern gibt es unzählige Wildschweine, auch Füchse, Waschbären und Marder sind hier in Berlin zu Hause. Weiter südlich von Berlin wurden sogar
vereinzelt Wölfe gesichtet. Doch das ist eher selten. Die Luft ist unheimlich klar und kalt. Es riecht nach Erde! Wundervoll, die Stille hier.

Grunewald 11

Doch dann entdecken wir etwas, was Thorsten auch noch nie gesehen hat. Von weitem sah es aus, als wäre ein Zelt aufgeschlagen wurden. Wir trauen uns näher heran und entdecken eine Art „Zimmer.“ Jemand hat eine Art Tisch aufgestellt, mit Blumen dekoriert, ein paar Sachen deponiert. Es sieht aus, als wenn sich jemand „ein Plätzchen“ im Wald dekoriert hat. „Ja, es gibt immer wieder wundersame Dinge im Wald zu entdecken“, meint Thorsten schmunzelnd. Wir wandern weiter und Thorsten begeistert mich immer wieder durch sein breites „Fach- und Waldwissen.“

Zimmer entdeckt

Die Vorliebe für die Natur hat er schon sehr lange. Es ergab sich 1994, bei einer Frühstücksrunde, da ein Kollege von seiner Zeit als
Revierförster im Harz am Brocken erzählte. Es ging um mehrtägige Streifzüge durch die Wälder mit wunderbaren Nächten unter freiem Himmel mitten in der Natur. „Das war so ansteckend und begeisternd erzählt, dass ich sofort mitmachen wollte!“ So ergab es sich, dass 5 begeisterte Trekker mit Lust auf Abenteuer 3 Nächte im Wald verbrachten. „Ganz ehrlich, Anita, die erste Nacht war gruselig und der Wald war verdammt laut, überall piepste, grunzte, raschelte und bewegte sich etwas. In der zweiten Nacht, war ich dann so müde, dass ich über die Geräusche hinweg einschlief.“ Seither unternimmt ein kleines befreundetes Team einmal im Jahr eine mehrtägige  Trekking-Tour“. (Bebilderte Touren-Geschichten findet ihr auf www.the-trekker.de).

Grunewald 18

Im Jahre 2004 fing Thorsten an, Wanderwege zu erkunden und zu dokumentieren. Es entstanden unzählige Bilder, die veröffentlicht wurden und hier beginnt auch der Moment, an dem ein Verlag auf ihn aufmerksam wurde. Der via reise verlag schrieb gerade ein Buch über Berliner Wanderwege mit der S-Bahn.
Durch Recherchen im Internet stießen sie immer wieder auf Thorstens Bilder. Sie nahmen mit Thorsten Kontakt auf und so entstand die Idee eines Buches. Mittlerweile gibt es zwei Bände über Berliner Wandermöglichkeiten. Thorsten führt Euch darin zu besonders idyllischen Orten in den Wäldern rund um Berlin. Es sind Exkursionen, in denen er es immer wieder schafft, den Leser in den Bann des Waldes zu ziehen. Dabei lassen sich ganz unterschiedliche Landschaften entdecken. Schon alleine der kleine Waldspaziergang, den wir nehmen, wirkt so unterschiedlich durch Thorstens Interpretationen, so dass ich einen kleinen Einblick gewinnen konnte.

In seinem Buch wird zum Beispiel die Insel Pichelswerder auf Holzstegen zwischen mannshohem Schilf erkundet. Eine ausgedehnte Radtour führt durch die Wansdorfer Heide nördlich von Berlin. Im Köpenicker Forst werden die Kanonenberge erklommen. Ganz nebenbei erfährt man bei jedem Ausflug viel Interessantes über das Leben in Wald und Flur und geschichtliche Historien. Natürlich ist jede Wanderung mit einer Karte sowie Informationen zur Anfahrt mit Bus und Bahn versehen. Tipps zum Einkehren, für Badeseen und Waldspielplätze dürfen auch nicht fehlen.

Auf dem Rückweg fährt er uns zum Grunewaldturm. Dieser wurde am 22. April 2011 für die Öffentlichkeit wieder freigegeben. Die Treppe im Turm wurde komplett erneuert,die gesamte Fassade saniert. Die Turmkrone wurde auf einer Länge von rund 8 Metern vollständig abgetragen und neu wieder aufgebaut. Die Terrasse wurde ebenfalls saniert. Ist ein echter Hingucker geworden. Von oben aus kann man ganz wunderbar die Weite und das Grün Berlins bestaunen. Auch das daneben liegende Restaurant „Grunewaldturm“ macht einen guten Eindruck. Wie ich erfuhr, wurde es vor einigen Jahren komplett saniert. Die Schwarzwälder-Kirsch-Torte schmeckt auf jeden Fall hervorragend und die Bedienung ist sehr freundlich.
Ist Euch aufgefallen, dass viele heutzutage das Wort „Nachhaltigkeit“ in den Mund nehmen? Für mich derzeit so eine Art Modewort, mit der viele punkten möchten. Da war für mich besonders interessant, dass Thorsten mir bei unserer Kaffee- und Kuchenpause
von Hans Carl von Carlowitz (1645-1714) erzählte. Er war Oberberghauptmann am kursächsischen Hof in Freiberg und gilt als  Begründer des Prinzips der „Nachhaltigkeit“. Angesichts einer drohenden Rohstoffkrise formulierte von Carlowitz 1713 in seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“ erstmals, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung, durch
Säen und Pflanzen nachwachsen konnte. Damit hatte er den Grundstein für die deutsche Forstwirtschaft gelegt. Denn noch heute gilt, nicht mehr aus dem Wald zu holen als nachwachsen kann.

GWT 22.06.2009 001

Wer übrigens Holz aus dem Wald holen möchte, muss einen „Abholschein“ beim Förster beantragen. Pilze und Beeren dürfen auf jedem Spaziergang gepflückt werden, sogar Blumensträuße sind erlaubt, allerdings nur für den Eigenbedarf ein Handstrauss! Es gibt für
Interessierte Wild- und Brennholztage im Forstamt Köpenick sowie Wildfleischverkauf im Forstamt Grunewald.

Thorsten, welche Jahreszeit ist die Schönste im Wald? „Jede Jahreszeit hat seine Faszination. Das Schöne am Wald ist, er hat 7 Tage die Woche 24 Stunden geöffnet!“ Na, habt Ihr nicht auch wieder Lust auf einen Waldspaziergang?
Mehr Informationen findet Ihr unter:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/

Die Bücher von Thorsten Wiehle: Auf Försters Wegen, Berliner Wald- Wanderbuch mit zahlreichen Touren findet Ihr zum Beispiel auf amazon.de, Verlag viareise (www.viareise.de). Ihr könnt auch auf die jeweiligen Cover klicken, dort sind die Links hinterlegt..:-)

 

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