Auf ein Pläuschen mit Desirée Nick

Desiree Nick u. Anita Tusch - Clique Berlin

mit Désirée Nick ganz leger gesessen und unterhalten – im Schlosspark-Theater
Das Foto hat Jürgen Sendel von pictureblind.de gemacht

Sie ist Entertainerin, Schauspielerin und Autorin. Die Meinungen über sie, gehen weit auseinander. Sie spaltet die Menschen, polarisiert und ist beliebtester sowie gefürchtetster Gast im Fernsehen sowie in Talkshows. Kaum einer hält Stand, wenn sie verbal ausholt und ihre durchaus frechen, bissigen und lästernde Sprachtiraden über die Menschheit und deren Promis auslässt.

Ich finde sie mutig, denn sie spricht oftmals Dinge aus und in die Kamera, die sich andere nur trauen zu denken oder eben nur hinter vorgehaltener Hand sagen würden.
Wir freuen uns, dass sie sich für uns Zeit nimmt – Désirée Nick. Ein tieferer Blick in ihre Vita ist spannend sowie faszinierend. In gutbürgerlichen Verhältnissen ist sie in Charlottenburg aufgewachsen. In jungen Jahren absolvierte sie an der Berliner Tanzakademie eine Ausbildung zur klassischen Balletttänzerin. 1976 bekam sie ein Engagement an der Deutschen Oper Berlin als Balletttänzerin, später beendete sie ihre Tanzlaufbahn vorzeitig und studierte Theologie
an der Theologisch Pädagogischen Akademie in Berlin Westend. Die Ausbildung und Arbeit prägen ihre Haltung und Disziplin bis heute bei allen Aufgaben, denen sie sich stellt.

Désirée Nick O-Ton „Es gibt keine Ex-Tänzer. Einmal Ballettprofi immer Ballettprofi “. Sie war Lehrbeauftrage für Religionspädagogik in Schmargendorf. Ihre Bühnenlaufbahn musste sie beenden, da sie mit 1,80 m für eine klassische
Tänzerin zu groß war. Doch für die Kirche war sie zu progressiv. Sie ging nach London, arbeitete als Interior Designerin und baute ihre schauspielerischen Fähigkeiten aus

Pressefoto VÖ

Pressefoto VÖ

Wer sie bisher immer nur im Fernsehen gesehen hat, kann die wahre Künstlerin Désirée Nick im Theater bewundern. Auf deutschen Bühnen überzeugt sie seit Jahren mit klassischen und ernsten Rollen ebenso wie im komödiantischen Fach. Die Bandbreite reicht von Schnitzlers „Reigen“, Kleists „Zerbrochenem Krug“ und Büchner „Dantons Tod“ über große Erfolge am Renaissance-Theater, Oliver Bukowskys „Nichts Schöneres“, den „Damen der Gesellschaft“ am Maxim Gorki Theater, vielen Rollen an der Volksbühne unter René Pollesch, und als Florence Foster Jenkins der sogenannten Rolle ihres Lebens am Renaissance-Theater. Mit dem Stück „Souvenir“ spielte sie an allen bedeutenden Boulevardbühnen Deutschland und erhielt in Wien nach einem 4-wöchigem Gastspiel an den Kammerspielen den Kritikerpreis.

ZUM INTERVIEW
Im Schlosspark Theater in Steglitz treffen wir persönlich auf Désirée Nick. Sie kommt fünf Minuten zu spät, sie war noch in der Maske. Gut gelaunt und fröhlich begrüßt sie uns. Sie sieht schick aus in ihrem grauen Wollkostüm und einer bunten Trachtenjacke. Das Make-Up und die Haare sitzen perfekt. Für
einen Moment überlege ich, warum ich eigentlich nicht „auch vorher“ in der Maske war. Sie macht einen sehr lockeren, sympathischen und doch sehr professionellen Eindruck. Wir setzen uns nach dem ersten Händeschütteln
leger auf eine Bank nebeneinander.

Sie flößt mir schon ziemlichen Respekt ein und ich kann es mir nicht verkneifen, sie als erstes zu fragen, wie sie sich fit hält, denn sie hat eine klasse Figur. Natürlich fange ich mir gleich die passende Antwort ein. „Wo denken Sie hin, mein Beruf verbietet mir Sport zu machen, das ist etwas für Angestellte mit geregeltem Leben“. Jetzt weiß ich, ich habe die Schauspielerin „Désirée Nick“ vor mir.
Mich interessiert, was ihr mehr Spaß macht, das Theaterspiel oder Auftritte im Fernsehen. Doch sie liebt beides und erklärt, „Es ist ein Wechselspiel zwischen Fernsehen und Theater. Viele sind schockiert über die Diskrepanz beider Formate. Im Fernsehen mach ich Werbung, im Theater kann ich Kunst zeigen.“ Wobei sie die letzten 8 Worte des Satzes mit ihrer unnachahmlichen Stimme besonders betont und fügt hinzu „Wissen Sie, im Theater sitzt eine kleine Elite von z.B. 600 Menschen – in einer Talkshow sehen und hören 2 Millionen Zuschauer meinen Unsinn“. Ich muss schon wieder grinsen.

EMFG Ensemble; Foto DERDEHMEL - Clique sued

EMFG Ensemble; Foto DERDEHMEL – Clique sued

WÜRDEN SIE AUCH GERNE FERNSEHROLLEN ÜBERNEHMEN WOLLEN? „Schätzchen, ich habe keine Connections zu den Hubert Burdas oder Axel Springers dieser Branche“, bekomme ich spontan vor die Nase gesetzt. Ich gebe zu, diese Frau schüchtert mich doch etwas ein, ich bin ihr nicht gewachsen.

Sie sprach nicht darüber, doch Désirée bereicherte die Werke außerordentlicher Filmemacher wie u.a. die von Rosa von Praunheim („Neurosia“ 1995), Max Färberböck („Aimée und Jaguar“ 1998) oder J. Kuhn („Fisimatenten“ 1999). Auch in Fernsehproduktionen wird Désirée Nick gerne besetzt, so war sie in den letzten Jahren u.a. in „SOKO 5113“, „Türkisch für Anfänger“ (beide 2008) oder „Anna und die Liebe“ (2010) zu sehen.  Umwerfend komisch zeigte sie sich 2012 in der ZDF-Verfilmung des Erfolgsromans von Dora Heldt „Kein Wort zu Papa“ und dramatisch in einer Gastrolle der ZDF Serie „Notruf Hafenkante“ 2013.

Ich möchte nicht die Désirée aus dem Fernsehen erleben, sondern die andere und überlege still, wie ich das anstellen soll.
WERDEN SIE IMMER FÜR IHRE THEATERSTÜCKE AUSGEWÄHLT, ODER GIBT ES ROLLEN, DIE SIE SPIELEN MÖCHTEN UND ENTSPRECHEND
ANFRAGEN?

„Meist werde ich für Rollen angefragt, doch es gibt eine Rolle, die ich in Eigeninitiative angeregt habe und mir besonders am Herzen lag. Ich schlug
dem Intendanten Torsten Fischer (Berliner Renaissance Theater) vor, mich die Rolle der Florence Foster Jenkins spielen zu lassen. Die reiche amerikanische Erbin sang in den 1940er Jahren vor einem hin- und hergerissenen New Yorker Publikum nicht nur leidenschaftlich gerne die Klassiker der Opernliteratur, sondern sang diese auch total und erbärmlich falsch! Ihre Plattenaufnahmen genießen heute noch Kultstatus und erheitern ganze Partygenerationen.
(Zur Info für Euch – 2008 brillierte Désirée Nick als Florence Foster Jenkins im dem Stück „Souvenir“ unter der Regie von Torsten Fischer am Berliner Renaissance Theater und im Rahmen einer Deutschland Tournee bis 2013 in zahlreichen weiteren Städten.)

EMFG Wolff, Nick; Foto DERDEHMEL

Im Schlosspark Theater spielt sie seit Januar die Hauptrolle in dem Theaterstück „Ein Mann fürs Grobe“. Für diese Rolle wurde sie direkt von Dieter Hallervorden angesprochen.
Sie spielt die „Severine“, eine kapriziöse, erfolgreiche und rundum zufriedene Leiterin eines Verlagshauses. Auf der Karriereleiter steht sie ganz oben und ihr attraktiver Lebenspartner Patrice arbeitet als Verwaltungschef für sie. In dieses perfekte Leben bricht Severines Ex-Mann Jean-Pierre ein. Bei einem Blick in die Kritiken finde ich Schlagworte wie souverän, humorvoll, lustig, witzig und
das Stück selbst soll mit deftigen Wortwechseln unterlegt sein. Bis Ende Mai und dann wieder ab September des Jahres könnt ihr Désirée in diesem Stück sehen.

Wir plaudern über das Genre Theater und ich erfahren, dass sie die alte
Schule des „Theater-Boulevard“ vermisst. „Wer heute seine Meinung sagt, wird schnell klein gemacht. Echte Volksschauspieler gibt es doch heute kaum noch. Viele werden kaputt gemacht, bevor sie überhaupt erblühen können.“
Von einer anderen Seite lerne ich sie dann doch kennen, als ich sie auf ihr Kochbuch anspreche. Désirée hat mittlerweile 9 Bücher geschrieben. Im Herbst 2012 erschien ihr neuestes Buch „Fürstliche Leibspeisen. Gerichte mit Geschichte“. Hierfür hat Désirée Nick ausgewählte Adelshäuser im deutschsprachigen Raum besucht, plaudert auf unnachahmliche Weise aus dem fürstlichen Nähkästchen und präsentiert jeweils ein Familienrezept nach Art
des Hauses. „Dieses Buch war eine Herzensangelegenheit und hat mir sehr viel Spaß gemacht. Es bedurfte vieler Vorbereitungen und hat insgesamt knapp 2 Jahre gedauert. Zudem koche ich leidenschaftlich gern“.

Désirée in „Ein Mädchen aus dem Volke“ (pressefoto steger

Ich sehe ihre Augen aufleuchten und die Tonlage verändert sich.
Im Juli könnt ihr Désirée übrigens bei den Wühlmäusen in dem Stück „Ein Mädchen aus dem Volk“ erleben. Sie hat wenig Zeit für ein Privatleben, doch zu Hause ist sie sehr gerne, da macht sie dann auch schon mal den Fernseher an „Das verschafft mir die nötige  Bettschwere“, säuselt sie uns entgegen.
Désirée Nick feierte vor 5 Jahren ihr silbernes Bühnenjubiläum. 30 Jahre Theater!
Unsere Gesprächszeit ist fast vorbei, sie wird aufgefordert´das Interview zu beenden, die Zeit drängt. Die Vorstellung beginnt gleich. Sie ruht in sich, fragt, ob wir fertig sind oder ich noch Fragen habe. Wir wollen sie nicht aufhalten.

Doch dann entdeckt sie das Foto-Bildband unseres Fotografen Jürgen Sendel. Echte Begeisterung können wir beide spüren, sie blättert es bedächtig durch,
stellt mehrere Fragen über die Abbildungen und möchte es am liebsten mitnehmen. Und ich glaube fast, da hab ich sie, die echte Désirée … und ich möchte behaupten …sie nicht lispeln gehört zu haben…!
Spontan lädt sie uns beide noch ein, sich das Stück doch heute Abend mit anzuschauen. Wir haben leider beide keine Zeit – doch versprochen. Wir kommen wieder!

www.desiree-nick.de
www.schlosspark-theater.de
www.facebook.com/DesireeNick

 

  • In den Wühlmäusen könnt ihr Désirée Nick in dem Stück „Ein Mädchen aus dem Volk“! vom 23.-28.07.2013 bewundern!

 

  • Im Schlosspark-Theater steht Désirée mit „Ein Mann fürs Grobe“ vom 17. – 22.9.2013, sowie am 23. – 27.10. + 15. – 19.11. auf der Bühne!

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