Alicja Lundt – Zuckerkind. Von wegen!

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Heute möchten wir Euch C L I Q U E – Unterstützerin Alicja Lundt vorstellen. Sie ist Deutschlands jüngste Kfz-Meisterin und wir wollten wissen, wie es dazu gekommen ist. In der letzten Ausgabe berichteten wir über ihren Vater Thomas Lundt, der seit über 30 Jahren eine Autowerkstatt, Sportwagen-Service mit Schwerpunkt Porsche führt.

Wir treffen uns in der Werkstatt und frühstücken gemeinsam. Sie wirkte auf mich auf den ersten Moment recht kühl, doch wie ich schnell herausfinde – ist sie alles andere als das! Wir kommen schnell ins Gespräch und das erste was mir einfällt und ich von ihr wissen möchte, ist – ob es von Anfang an klar war, dass sie in das Unternehmen ihres Vaters mit einsteigt. Ich entlocke ihr erstes Lächeln.
2014_07_22_101132„Nein, ganz und gar nicht, ich wollte damals Anwältin oder Gerichtsmedizinerin werden.“ erzählt sie mir. „Erst als mich meine Freunde darauf hinwiesen, dass ich bei dem Job einer Gerichtsmedizinerin auch Kinder auf den Tisch bekomme, war mir sofort bewusst – das möchte ich nicht. Heute frage ich mich, wie ich überhaupt auf diese Idee kommen konnte. Mein Vater hat immer gesagt, mir ist egal was Du machst, Hauptsache Du machst es mit dem Herzen. Ich erinnere mich noch, ich wollte damals mein Abi hinschmeissen, habe aber Dank meiner Familie doch durchgehalten. Ich wusste nicht, was ich werden sollte und dann fiel mir auf, dass mein Vater meist zufrieden von der Arbeit nach Hause kam und dachte mir – so schlecht, kann der Job gar nicht sein.

In Hamburg habe ich dann eine Ausbildung als KfZ-Mechatronikerin begonnen.

Wie war das als so junge Frau in einem Männerberuf? Das war kein Zuckerschlecken, ich wurde überhaupt nicht für voll genommen. Nun war auch ausgerechnet nebenan eine Friseurschule. Ich musste mir ständig anhören, ob ich mich denn nicht verlaufen hätte. Die blöden Sprüche wurden weniger, als die ersten Einsen flossen – da hat man mich dann in Ruhe gelassen. Nach drei Monaten habe ich aber abgebrochen, ich hatte ganz schön Heimweh. Meine Familie hat mir sehr gefehlt, morgens das gemeinsame Frühstück und vieles mehr. Mein Vater sagte nur: „Gut, dann musste halt hier bei uns lernen“ – und falls jemand dachte, dass ich bevorzugt werde….von wegen! Ich musste ganz schön Durchhaltevermögen zeigen. Ich habe bei uns am Tresen so oft geheult und hab mindestens 18x meine mündliche Kündigung ausgesprochen, zum Stift habe ich zum Glück nie gegriffen. Aber, ich war total im Thema und habe meine Prüfung 1 Jahr vorgezogen. Mein Vater ist Obermeister in der KfZ-Innung, das habe ich schon negativ zu spüren bekommen. „Zuckerkind“ oder „die bekommt ja alles in den Hintern geblasen“ waren Sprüche, die man sich gefallen lassen musste. Alle haben immer gedacht, ich bekomme immer alles was ich möchte. Aber ich habe hart in der Ausbildung gekämpft. Und nach der Schule bin ich immer die einzige gewesen die danach noch arbeiten gegangen ist, samstags übrigens auch.“

Alicja ist nach der Ausbildung im Juni 2010 dann zur Meisterschule gegangen.Im Mai 2011 hatte sie bestanden und hat sich somit innerhalb von 4 Jahren vom Abi zu Deutschlands jüngsten KfZ-Meisterin etabliert. Auch die Mitarbeiter, die anfangs skeptisch waren akzeptieren sie vollständig sowie ihre Einsatzfreudigkeit und Kompetenz.
Alicja, was gefällt dir an diesem Job? Was machst Du am Liebsten? Am liebsten mache ich Bremsen (außer Bremsflüssigkeit, das dauert immer so lange) und kümmere mich um die Elektronik. Mein Vater weiß mittlerweile, dass er mich in diesem Bereich in Ruhe lassen muss. Früher hat er mir immer über die Schulter geschaut. Er selbst liebt den „RO 80“ und stellt gerne Motoren ein, wenn er ihn dann mal in die Hände bekommt. Das ist seine Spielwiese, überhaupt steht er gerne in der Werkstatt. Ich kümmere mich lieber um die Prozesse im Unternehmen. Kontrolliere die Vorgänge, schreibe die Rechnungen und bestelle auch die Ersatzteile, die wir benötigen.

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Bei welchem Porsche geht Dir das Herz auf? Sie sind alle schön, obwohl, die „Luftgekühlten“ sind besonders schön. Ich mag den 993er sehr. Als letztes Modell des Porsche-Klassikers 911 hat er einen Boxermotor mit Luftkühlung. Mein Vater hat so einen, bei dem Sound bekomme ich ganz schön Gänsehaut.

Apropos Sound, Alicja – erkennst du einen Porsche am Sound? (lacht) ja..ich erkenne schon am Startgeräusch mit welchem Porsche ich es zu tun habe. Ich könnte mit der Nummer bestimmt bei „Wetten dass“ auftreten. Das mit der Wette könnten sich mein Vater und ich uns wirklich mal überlegen, allerdings brauche ich seine Hilfe weil die ,,alten 911´´ doch sehr ähnlich klingen.
Du bist erst 27 Jahre alt und schon 7 Jahre im Familienunternehmen. Wie siehst Du die Zeit rückwirkend? Ich bin wirklich bis zum heutigen Tage mit Herzblut dabei. Anfangs war es richtig schwierig. Die Kunden waren natürlich alle auf meinen Vater fokussiert. Mittlerweile konnte ich mich ganz gut behaupten und jetzt „schwenken“ die Kunden auch mal gerne zu mir um. Ich glaube, sie erkennen, dass ich wirklich absolut im Thema bin. Fehler passieren mir natürlich auch hin und wieder. Mein Vater tröstet mich dann immer und sagt zu mir „Als ich so alt war wie Du, war ich noch lange nicht so weit, wie du es heute bist. Fehler passieren.“ Das ist ein großes Kompliment für mich.

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Dein Vater erzählte mir im letzten Interview, dass er sich einmal eine Auszeit von 7 Wochen genommen hat. Deine Mutter und Du haben diese Zeit alleine meistern müssen. Wie war das für Dich? Ja, 7 Wochen hat er eine Motorrad-Tour mit seiner Harley gemacht. Von Anfang an hat er uns klar gemacht, dass er von der Firma in dieser Zeit nichts hören wollte. Ich hatte ziemliche Angst und großen Respekt vor dieser Situation. Mein Vater führte damals einen Blog und mir juckte es so oft in den Fingern ihm Fragen zu stellen. Ich hatte es dann mal versucht, aber er hat Fragen, die mit der Firma zu tun hatten einfach ignoriert. Wir konnten im Grunde niemanden fragen und mussten somit sämtliche Entscheidungen alleine fällen. Das war ganz schön anstrengend, mein Vater hatte gesagt „Entweder ihr schafft das oder wir ziehen den Karren danach wieder aus dem Dreck“. Aber er wußte genau, dass wir mit Herzblut dabei sind. Ich kann mich noch erinnern, früher hab ich immer die Augen verdreht, wenn er gesagt hat „Probleme sind da um gelöst zu werden“. Heute weiß ich, irgendwas ist immer und es gibt immer eine Lösung.
Du bist noch sehr jung, was ist Dein Ziel? Auf jeden Fall möchte ich das Geschäft, welches meine Eltern aufgebaut haben so gut wie möglich erhalten und ich möchte, dass es weiterhin eine Familien-Saga bleibt und werde diese fortführen.

Alicja, das ist ein schönes Ziel – vielen Dank für dieses Interview!
www.lundtauto.de
Lundtauto Sportwagen Service GmbH
Alt-Schönow 6
14165 Berlin

 

Die Fotos machte für uns: Jürgen Sendel von pictureblind.de

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