6000,00 DM lockten ihn nach Berlin

Ist es wirklich so schlimm ein Playboy zu sein? Moral hin oder her, es gibt Schlimmeres. Viele rümpfen die Nase, verdrehen vielleicht die Augen, wenn sie den Namen Rolf Eden hören. Wieviele Männer gibt es, die ihre Frauen schlecht behandeln, ist es da nicht besser einem Playboy über dem Weg zu laufen?


7 Kinder hat er mit 7 verschiedenen Frauen, zu allen hat er wie er selbst sagt ein gutes Verhältnis, selbst zu den Stiefvätern. Viele können das nicht einmal behaupten, obwohl sie eventuell sogar nur ein Kind und einen „Stiefvater“ als Nebenbuhler haben. Vielleicht hätten wir etliche Schlagzeilen, wilde Partys und Shows sowie eine schillernde Berliner Figur weniger, wenn es nicht im Jahre 1956 satte 6.000,00 DM für im Ausland lebende vertriebene West- Berliner gab. So stand es in der Zeitung, die Rolf Eden las. Dies war ein Anlass für ihn nach Berlin zurückzukehren. Zu dieser Zeit lebte Rolf Eden in Paris als Musiker. Rolf Eden wurde als älterer von zwei Söhnen eine jüdischen Familie in Berlin-Tempelhof geboren. Die Familie floh nach Machtantritt der Nazis im Jahre 1933 nach Palästina.
Edens Vater führte in Haifa ein Café, die Großeltern ein Hotel. Die Schule verließ Rolf Eden schon mit 14, er wollte sein Geld mit Musik verdienen. Im ersten arabisch-israelischen Krieg kämpfte er in einer Eliteeinheit unter Jitzchak Rabin. Wir besuchen Rolf Eden in seinem Büro in Wilmersdorf. Imposant die Klingelschilder, auf denen über 10 verschiedene Firmennamen pranken, die schnell auf den Inhaber Rückschlüsse ziehen. Schließlich besitzt er ca. 14 Mietshäuser mit 800 Wohnungen in Berlin. Er verspätet sich leicht und begrüßt mich natürlich in einer charmanten Art, die seinem Ruf als Playboy alle Ehre macht. Ich würde jedoch eher Gentleman sagen
als Playboy. Er sieht rüstig aus und scheint seinem Alter von stolzen 82 Jahren zu trotzen. So richtig krank, war er noch nie, erzählte er uns.
Ganz unkompliziert beginnt Rolf Eden das Gespräch, denn er hat gerade eine CD mit alten Klassikern herausgebracht. Keine „Bumm-
Bumm-Musik“ sagt er stolz. „eher Musik an der man die Dame noch an die Hand nehmen muss“. Das passt zu ihm. Wir schauen uns die
vielen Bilder in seinem kleinen und doch eher bescheidenen Büro an. Viele Fotos, Zeitungsausschnitte, Poster und Plakate gibt es zu entdecken, die eine Zeitreise der letzten Jahrzehnte erlauben. Sogar einen Zeitungsartikel der Harald Tribune , aus dem März 2012 sowie dem International Herold und die New York Times entdecken wir. Ja, sie schreiben alle über ihn – weltweit. Warum weiß er selbst nicht. Doch sie schreiben wohlwollend und das gefällt ihm.

Seine Sekretärin bringt uns Getränke, spontan fragt er: „ Steht heute etwas über mich in der Zeitung?“ Sie antwortet, „nur, dass Sie gestern bei Adnan Essen waren“. „Mit Foto?“ hakt er nach. „Nein, ist keines bei“. Er verharrt kurz und sagt spielerisch: „Hmm, jetzt bin ich aber beleidigt!“ Er ist ruhig, gelassen, greift in die Schublade und schenkt mir (s) ein Parfum „Rolf Eden No1“ Ich freue mich über dieses Geschenk und erfahre, dass es diesen Duft bei Douglas zu kaufen gibt. Rolf Eden ist ein Allrounder und hat eine Marke aus sich gemacht.
Er prägte in den 50er und 60er Jahren die Berliner Nachtclub-Szene. Im Jahre 1957 eröffnete er am Ku´Damm (Ecke Nestorstraße) den Eden-Saloon, auch vielen bekannt unter Old Eden. Doch dabei blieb es nicht, es folgten das New-Eden, der Eden-Playboy-Club, das Kabarett Schlüsselloch und 1967 das Big Eden. Danach eröffnete er das Blue Tattoo. Das 1969 gegründete Eden Theater übernahm später Peter Stein. Die uns allen wohl bekannteste und auch seine letzte Diskothek, war das Big Eden, welche er im Jahr 2002 erfolgreich verkaufte. Er machte als erster DJ´s und Misswahlen in Berlin populär. Doch nicht nur das Disco- und Playboy-Leben prägen seinen Weg. Seit 1959 arbeitet Rolf Eden auch als Schauspieler und wirkte bisher in ca. 30 Filmen mit. Noch heute wird auf Sylt der Kinofilm „Heißer Sand auf Sylt“ (in den Hauptrollen Horst Tappert und Rolf Eden) jährlich zu Weihnachten abgespielt, erzählte er uns ganz stolz.


Wir schauen uns die Fotos in seinem Büro an und finden viele bekannte Persönlichkeiten. Darunter ein großes, altes schwarz/weiß-Foto auf dem Rolf Eden mit den Rolling Stones in einer Berliner Kneipe am Tisch sitzt. Er erinnert sich wie er mit den Jungs in seinem alten Rolls Royce durch die Berliner Stadt fuhr. Sein Vorbild in frühen Zeiten war übrigens der junge und wilde James Dean. Rolf Eden fuhr damals sogar den gleichen und unvergesslichen „Porsche 356“. Neben den vielen Frauen sind natürlich auch Autos seine Leidenschaft sowie das Singen und Klavierspielen. Noch heute ist er im Berliner Nachtleben anzutreffen. Jeden Donnerstag geht er in die „die kleine Weltlaterne“ (Nestorstr.) , die es übrigens seit 1961 gibt und als Literatur-, Galerie- und Jazzkneipe bekannt ist. Wenn ihm danach ist singt oder spielt er dort am Klavier . Dann erfahren wir so ganz nebenbei, dass im August ein „dickes Buch“ mit über 500 Bildern über ihn und sein Leben herausgebracht wird. Geschrieben wurde es vom Filmregisseur und Videokünstler Peter Dörfler, der schon im Jahre 2011 für den Film „The Big Eden“ Regie und Drehbuch realisierte.
Der Titel lautet „ Rolf Eden – Das ganze Leben nur Glück gehabt“! Das ist der Moment, wo ich mir verkneife zu fragen, was ihn so erfolgreich gemacht hat. Ob er derzeit eine Freundin hat, wollen wir dann doch wissen. „Ja, die süße Brigitte“ und er spricht den Namen
aus, wie die der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot. „Wir fliegen dieses Wochenende nach Cannes und sie ist das süßeste Ding, was ich je hatte!“ Er findet zwar, dass sie mit 30 Jahren die älteste seiner Errungenschaften ist und zeigt uns stolz ein Foto einer Blondine, die wahrlich der „Bardot“ das Wasser reichen kann. Wir verabschieden uns höflich und Rolf Eden kann es sich nicht verkneifen mir ein Kompliment mit auf den Weg zu geben…einmal Playboy..immer Playboy..!

Autor: Anita Tusch
Fotos: Jürgen Sendelpictureblind.de

Keine Antworten zu "6000,00 DM lockten ihn nach Berlin"

    Hinterlasse einen Kommentar

    Die Email-Adresse wird nicht veröffendlicht.