25.12.2014 – Die Entdeckung der Unendlichkeit – Jane Hawking weinte im Kino

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Tina Ellen Ciftci im Gespräch

„Die Entdeckung der Unendlichkeit“ – – Jane Hawking weinte im Kino.

Tina Ellen Ciftci traf den Drehbuchautor und Produzent Anthony McCarten

Anthony McCarten feierte international Erfolge als Drehbuchautor, Produzent und Bestellerautor. Der charismatische Neuseeländer reist immer mal wieder gerne zu Gast-Lesungen nach Deutschland, zur Freude seiner überwiegend weiblichen Fans. Dieses Mal gibt es jedoch einen anderen Grund: Am 1. Weihnachtsfeiertag startet in den deutschen Kinos Anthony McCartens Herzensprojekt, das Drama „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ (Englisch: Theory of Everything), bei dem er Drehbuchautor und auch einer der Produzenten ist.

Im Biopic geht es um die Geschichte von Stephen Hawking, dem bekanntesten und meist gefeierten Physiker unserer Zeit. Das  außergewöhnliche Drehbuch basiert auf den Memoiren „My Life with Stephen“, die von Hawkings damaliger Ehefrau Jane geschrieben wurden. Stephen leidet an ALS, die Erkrankung schädigt die Nervenzellen, die für die Steuerung der Muskeln zuständig sind. Ihm wurde eine Lebenserwartung von zwei Jahren gegeben und bis heute ist es ein Rätsel, dass er noch lebt.
Zuerst war ich skeptisch. Ein Film der Überlänge hat und indem der zunehmende, körperliche Verfall des Physikers Stephen Hawking zu sehen ist. Dazu eine sich aufopfernde Ehefrau. Wahrscheinlich eine deprimierende Geschichte. Doch dann die Überraschung: Der Film ist mitreißend, optimistisch und am Ende habe ich im Kino Tränen in den Augen (kommt sonst garantiert nie vor). Nun werde ich neugierig, den Mann zu treffen der dafür verantwortlich ist. Ich treffe Neuseelands spannendsten Export zum exklusiven Interview
im Ritz Carlton Berlin.
Er ist eine charismatische Erscheinung und sehr höflich. Wer einen selbstverliebten Autor mit Starallüren erwartet, der wird sofort eines Besseren belehrt. Er ist eine gute Mischung aus britischer Höflichkeit und neuseeländischer Lockerheit, hat einen sympathischen Humormit einer Prise Selbstironie.

Ist das typisch Neuseeland? Warum ist „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ ein Film, den man sich unbedingt ansehen sollte? Erst einmal ist es eine autobiographische Geschichte, um einen der beeindruckendsten Physiker den wir kennen – Stephen Hawking. Es geht um das Universum, den Glauben an Gott und an sich selbst. Um Liebe, Hoffnung, Anerkennung und darum seine Träume zu verwirklichen. Es ist ein Film der den Menschen Hoffnung gibt. Sie gehen mit einem guten Gefühl nach Hause und sagen sich, egal wie schwierig eine Situation ist, ich kann alles bewältigen.

Was war ihre ursprüngliche Inspiration das Drehbuch zu schreiben? Meine erste Inspiration war das Buch, das Hawking selbst geschrieben hat: „Brief History of Time“. Aber das Ausschlaggebende, was mich bewegt hat, einen Teil des Lebens von diesem Genie zu erzählen, waren die Memoiren seiner ersten Frau Jane Hawking: „My Life with Stephen“.
Was passierte dann? Wie haben Sie ihre Pläne in die Tat umgesetzt? Viele Leute denen ich davon erzählte, versuchten mir davon abzuraten und mich davon zu überzeugen, dass es keinen Sinn hat und ich nur auf Ablehnung stoßen würde. Also fuhr ich nach Cambridge, klopfte an die Tür von Jane und stellte mich vor. Ich bat sie mich herein zu lassen, damit ich ihr erklären kann, wie ich das Drehbuch schreiben würde. Jane lud mich ein und hat mich reden lassen. Ich erklärte ihr, es würde eine Liebesgeschichte werden und vom wissenschaftlichen Durchbruch von Stephen erzählen. Der Fokus sollte auf Janes Beziehung und Fürsorge zu Stephen liegen. Sie sagte: „Geh und schreib das Drehbuch und dann sprechen wir noch einmal darüber.“Ich verfasste 3 Entwürfe und es sollte noch viele Besuche und Gespräche in Janes Wohnzimmer geben, bis ich ihr Vertrauen gewinnen konnte. Sie war positiv überrascht von dem Drehbuch, wollte jedoch sicher gehen, dass dieses sehr persönliche und vertrauliche Material nicht in die falschen Hände geriet.
Was waren Ihre emotionalsten Momente in der Begegnung mit Jane und Stephen Hawking? Als Jane den Film zum ersten Mal im Kino sah, weinte sie und sagte:“ Das ist ja unser Leben, so war es.“ Das war ein sehr emotionaler und bewegender  Moment für uns alle. Dann gab es diesen Moment als ich Stephen Hawking fragte wie ihm der Film gefallen hat und ob er ihm realistisch genug sei. Stephen zögerte absichtlich lange mit der Antwort, lächelte und ließ seine Computerstimme langsam sprechen:“ Das Ende…des Films…ist….zu…süß.“ Ich fühlte mich sehr erleichtert, denn er würde es sofort mitteilen wenn er nicht zufrieden ist. (Anmerk. d. Redaktion: Seit einer Luftröhrenoperation kann Stephen Hawking nur durch mit einer ferngesteuerten Computerstimme sprechen)
Im Film ist es Jane die Stephen Stärke gibt und ihre eigene Karriere hinten an stellt. Steht hinter jedem erfolgreichenMann, eine starke Frau? Das ist sehr häufig der Fall, der Film zeigt die starke Beziehung zwischen Jane und Stephen. Ohne Janes Unterstützung und Fürsorge hätte Stephen es nicht geschafft. Sie kämpft um ihn, gibt ihm Mut und Kraft, obwohl sie anfangs sehr zerbrechlich wirkt.  Frauen sind in solchen Situationen oft viel stärker als Männer.

Sie kommen aus Neuseeland, wie sehr hat ihre Heimat Sie geprägt in Ihrer Arbeit als Schriftsteller?Neuseeländer wollen alle reisen, wir können es nicht abwarten die Welt zu sehen, da man dort sehr isoliert ist vom Rest der Welt. Neuseeland ist eine sehr eng miteinander verbundene Gesellschaft, in der eine Abweichung von der Normalität nicht gerne gesehen wird und Anpassung erwartet wird. Sicherlich ist das auch ein Grund, warum ich mit dem Schreiben angefangen habe. Dabei konnte ich neue Welten für mich entdecken.

Sie leben außerdem in London und Los Angeles. Was vermissen sie an Neuseeland wenn sie weg sind? Ich denke mir jedes Mal wenn ich im Ausland bin, was für ein Paradies und wie schön Neuseeland ist. Dann frage ich mich warum ich weggegangen bin. Das Leben in Neuseeland ist viel sorgloser und bequemer, aber ich werde dort auch sehr faul. Da ich von Natur aus ein eher fauler Mensch bin, brauche ich die Inspiration einer Stadt wie London. Durch die vielen Menschen die dort Leben und ihre Schicksale, Kulturen und Konflikte ist es ein guter Ort zum Schreiben.
Wie gefällt Ihnen Berlin und was für Klischees hat man im Ausland über meine Heimatstadt? Berlin hat den Ruf, dass die Leute den ganzen Tag nur in Cafés sitzen und rauchen. (lächelt). Berlin hat für mich jedoch große Ähnlichkeit mit LA und die Stadt mag ich sehr. Egal wo man hinkommt und in welchem Café man sitzt, die Menschen haben immer irgendeine Idee und sind mit einem neuen Projekt beschäftigt. Wenn man in LA sein Auto waschen lässt, bekommt man plötzlich ein Skript in die Hand gedrückt. Das ist nicht nur ein Klischee, sondern entspricht der Realität. In Berlin ist es ebenso, die Menschen sind kreativ, wollen etwas bewegen und es geht immer um den Job. Ich bin mit meiner Familie auf dem Fahrrad durch Kreuzberg gefahren, habe mir das Graffiti und die Stadt angesehen.
Welches Buch können Sie mir empfehlen? Ich habenoch keinen Roman von Ihnen gelesen und würde das jetzt gerne ändern. Das freut mich sehr. Wenn Sie noch kein Buch gelesen haben, würde ich für den Anfang zu „English Harem“ raten, die Geschichte spielt in London und es geht um eine Frau aus der unteren Mittelschicht, die gegen den Willen ihrer Eltern einen älteren Perser heiratet der bereits zwei Frauen hat. Das erfolgreichste Buch in Deutschland ist jedoch „Superhero“, das würde ich sonst empfehlen.

Vielen Dank!

tina ellen ciftci - glamour and the city

Ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Einblick
geben. Bis zum nächsten Mal, Eure Tina Ellen Ciftci
Mehr über uns: www.glamourandthecity.com

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