09.05.2011 – im Frannz Club

Monnona Ciccone schreibt desöfteren für unser Magazin Beiträge.  Vor kurzem ist sie im Gespräch gewesen mit Asaf Avidan:

Das Leben lebendig machen

Er stammt aus Israel, hat eine außergewöhnliche Stimme und gilt mit seiner Band The Mojos als erstklassiger Live-Act: Asaf Avidan. Nachdem nun sein zweites Studioalbum „Poor Boy/Lucky Man“ erschienen ist, kommt die fünfköpfige Formation während ihrer Deutschlandtournee auch nach Berlin und stellt unter Beweis, dass ihr englischsprachiger Alternative-Folk-Rock im Live-Club mindestens ebenso gut aufgehoben ist wie zuletzt in der Oper in Tel Aviv.

Auf „Poor Boy / Lucky Man“ verschmelzen der Diplomatensohn mit dem unverkennbaren Falsett und seine Mitmusiker Einflüsse aus Folk, 70s- und Indie-Rock, Blues sowie Americana. Angereichert mit zeitgenössischen Elementen, Celloklängen, Mundharmonikaeinlagen und nicht zuletzt Avidans leidenschaftlich-markantem Gesang entsteht dabei jener handgemachte originäre Sound, der zum musikalischen Aushängeschild der Band wurde.

In seinem Heimatland zählen Asaf Avidan & The Mojos zu den populärsten Acts ihrer Generation und eröffneten bereits Shows für The Who und Morrissey.

Vor dem Konzert in Berlin hatte Mononna Ciccone von der Clique noch ein paar Fragen an das 30-jährige Stimmwunder.

Clique: Guten Morgen! Wie hat der Tag für Dich angefangen und was gab es zum Frühstück?

Asaf Avidan: Der Tag hat ziemlich normal begonnen. Ich weiß nicht, was es hier zum Frühstück gab. Ich bin zu spät aufgewacht.

Hast Du die königliche Hochzeit von Kate und William gesehen? Was denkst Du über solche Anlässe, die auch noch im Fernsehen übertragen werden?

Für mich ist so eine königliche Hochzeit keinen Pfifferling wert. Was mich beeindruckt ist, dass Tausende von britischen Bürgern für die Feier von Fremden bezahlen und dann auch noch jubeln.

Dein neues Album „Poor Boy/Lucky Man” ist großartig. Was ist der Hintergrund für diesen Titel und gibt es einen persönlichen Bezug?

Meine Songs und Alben sind immer persönlich. Ich denke, das Album ist durch die Erkenntnis entstanden, dass ich zwei Seiten habe. Der arme Junge und der glückliche Mann sind beide ein Teil dessen, wer ich bin und ich versuche, beide zu vereinen. Es geht darum, zu verstehen, dass Gefühle wie Schmerz, Angst und Hass ebenso zulässig sind wie Hoffnung, Glück und Freude. Das sind die Farben, die das Leben lebendig machen. Ich denke, deshalb gibt es auch so viele verschiedene Sounds und Genres im neuen Album.

Du bist gemeinsam mit einem 40-köpfigen Sinfonieorchester auf der Bühne des Opernhauses in Tel Aviv aufgetreten. Wird es ein Album von diesem Konzert geben und werden Deine Fans Dich irgendwann mit Orchesterbegleitung auf Tournee erleben? In Deutschland sind Rock-Konzerte mit Orchester sehr beliebt.

Wir arbeiten an einem Album der Konzerte im Opernhaus und investieren viel Zeit in die hohe Qualität der Aufnahmen. Wenn ich Zeit habe, beginne ich damit, alles abzumischen. Ich hoffe wirklich, dass wir irgendwann auch in Deutschland ein Konzert mit Orchester spielen werden. Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, auch wenn es nur zwei Konzerte dieser Art bisher waren. (lacht)

Es ist unglaublich und macht Spaß, Dir und The Mojos bei Eurer Arbeit auf der Bühne zuzusehen. Eure Konzerte sind immer sehr überraschend. Warum seid Ihr so selten auf Tour? Ignorieren Euch die Festival-Organisatoren?

Das ist eine gute Frage. Wir dachten, die deutschen Festivals werden sich uns mehr öffnen, nachdem das Publikum auf unseren Konzerten so begeistert war und ist.

Ich liebe Deinen Song „Maybe you are“. Bitte versprich, dass Du es bei Deinem Konzert in Berlin spielen wirst.

Das ist keine Demokratie. (lacht)

Vor kurzem wurde Israel auf Platz sieben der glücklichsten Länder gewählt. Die Menschen dort sind sehr zufrieden. Was bedeutet Glück für Dich und was macht Dich glücklich?

Für mich ist Glück, an das, was ich mache, auch zu glauben. Es gibt für mich einen Unterschied zwischen Glück und Freude. Ich muss nicht die ganze Zeit fröhlich sein, um glücklich mit meinem Leben zu sein.

Welche sind Deine Lieblingsplätze in Israel? Hast Du ein paar Tipps für uns?

Ich mag die kleinen gemütlichen Bars in der Nähe des Marktes von Jaffa. Jaffa ist der südliche Teil von Tel Aviv. ES gibt hier kaum Leute mit dieser übercool-Attitüde, auf die man sehr oft in dieser Stadt trifft. Du kannst in diese Bars gehen, rumhängen und du selbst sein.

Toda raba* und Shalom! *Hebräisch: Vielen Dank!

Das Interview führte Mononna Ciccone

Asaf Avidan & The Mojos treten am 9. Mai im Berliner Frannz Club auf. Los geht es um 20 Uhr. Karten gibt es bei allen bekannten Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse.

 

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